
Multiples Weiß
Vielleicht beginnt diese Ausstellung mit einer Leerstelle.
Eine Wand mit 50 % Kunst von Frauen wirkt auf viele Menschen überraschend weiblich. Nicht weil sie Frauen zeigt – sondern weil wir uns daran gewöhnt haben, dass genau das - die Wirklichkeit die uns täglich umgibt - häufig eben nicht gezeigt, thematisiert und abgebildet wird.
Leerstellen sind selten leer. Sie sind gefüllt mit Gewohnheit. Mit Blickrichtungen. Mit Entscheidungen darüber, wer sichtbar wird – und wer nicht.
Vielleicht ist Sichtbarkeit wie Sauerstoff. Solange wir selbst genug davon haben, denken wir nicht darüber nach. Erst wenn sich etwas verschiebt, bemerken wir plötzlich die Luft.
„Multiples Weiß“ lädt dazu ein, genau diese Irritation ernst zu nehmen. Nicht nur in Bezug auf Geschlecht, sondern auf alle Perspektiven, die im Alltag, in Museen, in Medien oder in der Geschichte oft übersehen werden.
Welche Stimmen fehlen? Welche Geschichten wurden nie erzählt? Und welche Bilder erscheinen uns deshalb „normal“, obwohl sie nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit zeigen?
Vielleicht entdecken Sie in dieser Ausstellung nicht nur Kunstwerke.
Vielleicht entdecken Sie vor allem die Leerstellen dazwischen.
Museumsguide
XL Notes, 2025 - Acryl, Graphit, Papier
“Ich wäre da vorsichtig” - rosa Schriftzug auf Rechenpapier. Wir suchen nach der Erklärung, doch stehen da nur diese Worte, die an etwas appellieren. An was?
Die Notizen unseres Lebens. Wir alle haben sie, diese Zettelsammlung, geschichtet bis zur Unkenntlichkeit. Alte Telefonnummer, nie den Mut gehabt anzurufen. Der Aufruf an mich selbst: Eine Mahnung, die hinter dem Begehren verhallte. Gedanken in Schichten und Zetteln.
Xenia Lesniewski verbindet dies alles zu einer überdimensionalen Pinnwand, verwandelt das Belanglose in eine nachdrückliche Behauptung. Alltägliches wird Kunst. Im Kontrast zum Durcheinander steht die Ordnung. Zusammengelegte Notizen erzählen Geschichten. Sie werden Romane. Ich muss nur den Mut haben, die nächste Seite umzuschlagen. Schau hin. Schau hin. Das ist dein Leben. Das auch.
„In Rissen denken.“ – Losgelöst von Gewohnheiten haben Gedanken freien Lauf: Neue Perspektiven öffnen sich. In der Nähe des Werks wird man Teil davon, ist selbst ein Zettel von vielen, eine Aufgabe und eine Funktion. Nimmt man Abstand, erhält man einen Überblick, Ideen fügen sich neu zusammen, Verbindungen und Hierarchien werden sichtbar. Vielleicht bildet sich auch ein Freiraum heraus.
Xenia Lesniewski ist eine multidisziplinäre Künstlerin, deren künstlerische Praxis von visueller Kunst über Malerei bis hin zu Animation und Experimentalfilm reicht.
Xenia Lesniewski (*1985, Deutschland) lebt und arbeitet in Wien. Ihre Werke wurden in Solo-Ausstellungen zeitgenössischer Kultureinrichtungen gezeigt, wie zum Beispiel im MQ Wien oder in der florit/florit Gallery in Palma. Ihre Videoarbeiten präsentiert sie außerdem auf internationalen Filmfestivals, darunter auf der Berlinale und bei den Rencontres Internationales Berlin/Madrid/Paris.
Mikrotonal 001, 2026 - Tuschezeichnung auf Papier
Mikrotonal 002, 2026 - Tuschezeichnung auf Papier
Mikrotonal 003, 2026 - Tuschezeichnung auf Papier
QF II 001, 2025 - Aluminiumplatte, Acryl, Metallgaze
Bei einem Atelierbesuch fiel die Liebe stürmisch auf mich herab, in mich hinein.
„Ich müsste mein Blut übertragen.“ (Songtext von Jan Pieper / Die Stricher)
dachte ich spontan.
Mein Wunsch war, die Künstlerin zu zwingen, zu sehen, was ich sehe. Die Freiheit, Kunst erleben zu dürfen, wollte ich einschränken. Mein Kopf wollte in ihren Kopf.
Was hier abstrakt klingt, war ein zutiefst körperlicher Wunsch: Ich war hingerissen, bewegt, verwundert, verzückt. Und ich wünschte mir in diesem Moment nichts sehnlicher, als dass sie dieses Erleben weiterdenken sollte. In Papier.
Auch wenn ich mein Blut nicht übertragen konnte, so gab es doch diesen besonderen Austausch, der durch das Erleben von Kunst, gewürzt mit ein bisschen Nähe und Vertrauen möglich wird. Denn Kunst ist Gespräch, Austausch und Inspiration.
Etwas kam in die Welt, verselbständigte sich und wurde etwas komplett Neues.
Wir freuen uns, euch zeigen zu können, wie es begann: QF.
Metallkörper, deren Papierzeichnungen irisierend hinter schimmernden Flächen tanzen. Linien geraten ins Schwingen. Strukturen überlagern sich. Bewegung entsteht dort, wo eigentlich keine Bewegung ist.
Und wir freuen uns, euch zeigen zu können, was daraus geworden ist: Mikrotonal 001 - 003.
Durch das opake Papier wandern Wellen, Felder, Richtungen. Etwas breitet sich aus. Das Mikrotonale der Metallkörper taucht auch hier wieder auf, allerdings auf völlig andere Weise. Nicht als Wiederholung, sondern als Verwandlung.
Das QF der Objektserie aus Metall steht für Quantenfelder. Doch wie so oft bei Harriet Groß geht es nicht darum, etwas zu illustrieren. Ihre Arbeiten denken über ihre sichtbaren Begrenzungen hinaus. Linien werden zu Räumen. Objekte werden zu Gedanken. Klang wird sichtbar.
Die Papier-Serie Mikrotonal ist das Weiterdenken einer Idee. Das Weiterdenken von Klang. Das Weiterdenken von Raum.
Und vielleicht auch das Weiterdenken des Erlebens von Kunst.
Harriet Groß, *1967 in München, lebt und arbeitet in Berlin. Nach einem Medizinstudium an der Freien Universität studierte sie an der Hochschule der Künste Berlin und am Royal College of Art in London Bildende Kunst. Für ihre Arbeit erhielt sie zahlreiche Stipendien und Förderungen. Ihre Werke werden regelmäßig in Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland präsentiert und sind Teil privater und öffentlicher Sammlungen. Gemeinsam mit befreundeten Künstler:innen betreibt sie den Projektraum Axel Obiger.
Driver Protocol not supported, 2026 - Gelatin Silber Prints, Ösen
Exoskeleton, 2025 - Gelatin Silber Prints, Ösen
Wie die Schuppen eines Tieres überlappen sich Holzstücke. Von Menschen zu Brettern verarbeitet und von der vergehenden Zeit gebrochen, befinden sie sich in einem ganz besonderen Zustand, der so nur in Städten zu finden ist. Trotzdem bleibt es Holz, das von Bäumen stammt. Natur und Menschen begegnen sich in einem konstruierten Stadtraum.
Für Philipp Hölzgen geben diese unterschiedlichen Formen des Seins Aufschluss über Gemeinsamkeiten. Er erforscht Gegensätze in seinem schwarz-weißen Universum und betrachtet sie als harmonische Dualität.
Würde ich das korsettartige Objekt mit dem Schnürband vorne tragen, dann hätte ich einen Panzer aus Holz, aus Papier, aus Schutz. Ich ähnelte einem Insekt. Das Menschliche und das Tierische vermischen sich. Eine Verwandlung, die dem Titel des Werkes entspricht. „Exoskeleton”, eine außenliegende Knochenstruktur, ein Gefühl von Geborgenheit.
Der Handschuh ist verbeult, Nähte gerissen, er hat Kämpfe überstanden und erzählt Legenden von Sieg und Niederlage. Welche Geschichten sind wahr? Werden unsere Siege überhöht, und wenn ja, was ist die Absicht dahinter?
Mensch und Natur, Schutz und Heilung, Widerstand und Hingabe, an einem Ort miteinander vereint. Oder anders formuliert: Das Korsett zu eng geschnürt, der Bruch zwar gestützt, aber nicht stabil, die Aufgabe verfehlt. Und dennoch nicht gescheitert.
Philipp Hölzgen (*1994, Deutschland) lebt und arbeitet in Wien. Während seines Studiums beschäftigte er sich mit Fotografie, Kommunikation und Bildender Kunst. Diese drei Erfahrungen bringt er in seinen Werken zusammen, für die er sich von den Beziehungen zwischen Menschen und ihrer Umwelt inspirieren lässt. Um das Thema aus einer neuen Perspektive zu betrachten, nahm er an der Residenz „Residency Keramikos23” in Athen teil. Seitdem werden seine Werke in Österreich, Deutschland und Griechenland ausgestellt.
Die Arbeit wurde mit Unterstützung von Bildrecht realisiert.
Partition 115 , 2018 – Fotoobjekt, Unikat (Leihgabe der Sammlung Klein)
Partition 168, 2026 - Handout archival Pigment Print
Wenn man der Fotografie alles Inhaltliche entzieht, was bleibt? Dieser Frage ging Christiane Feser nach und fand: Es bleiben Licht, Schatten und das Material Papier.
Daraus schuf sie ihr Spielfeld. Mit digitaler Bildbearbeitung angefangen, verwendet sie seit 2008 verstärkt „echtes“ Werkzeug. Sie faltet, fotografiert, schneidet, ritzt, sticht und fügt den Oberflächen in manchen Arbeiten Fäden und Fasern hinzu. Sie arrangiert alles neu – nur, um es noch einmal durch die Linse der Kamera festzuhalten. Dem fotografischen Sehen der Kamera, einer Realität, die "mal war", setzt Feser das aktive menschliche Sehen mit dem Auge entgegen. Das Zwei- und Dreidimensionale wird miteinander verwoben, bis sich die Aufnahme in ein „Foto-Objekt“verwandelt.
Am Anfang der fortlaufenden Serie Partitionen standen Faltungen einzelner Papiere. Aus tausenden von Din A4-Blättern formte Feser über Monate immer neue Module, die sie durch die Kamera festhält und zurück ins Dreidimensionale überführt. Christiane Fesers großformatige Arbeit Partition 115 im Eingangsbereich lebt von der meisterlichen Beherrschung des Werkstoffs Papier, der sich wie ein Wasserfall aus Papierstreifen in den Raum ergießt.
Ihre zweite hier ausgestellte Arbeit “Partition 168” wurde 2026 nach einer mehrjährigen Pause der Partitionen extra für das Haus des Papiers geschaffen und von uns erstmals auf der Messe paper positions Berlin präsentiert. Diese noch ganz neue Arbeit lebt von Präzision und Schimmer. Kaum zu glauben, dass es tatsächlich Papier ist. Metallisch und doch warm, verändern sich die Farben im Laufe des Tages, verändert sich der Glanz während des Vorübergehens. Ein Beispiel ihrer unnachahmlichen Kunst, Irritationen zu erzeugen und unsere Augen an die Hand zu nehmen, sie zu führen und zu verwirren.
Christiane Feser Werke wurden bereits weltweit gezeigt, darunter im Frankfurter Kunstverein; dem Getty Museum, Los Angeles; dem Kunstmuseum Bochum; dem Palazzo Strozzi, Florenz sowie im Solomon R. Guggenheim Museum, New York. Ihre Werke sind in den Sammlungen des Guggenheim Museums, New York; im Minneapolis Institute of Art; im Mönchehaus Museum, Goslar; im ZKM Karlsruhe und der Sammlung Klein. Christiane Feser ist die erste Stipendiatin unseres Residenzprogrammes Paper Residency!.
Patchwork 43, 2023 – Karton, Papier auf Karton
Patchwork 44, 2023 – Karton, Papier auf Karton
Seit seiner Kindheit wurde der Künstler und Designer durch das Thema „Textilien“ geprägt, das durch sein Elternhaus in seinem Alltag sehr präsent war. Schon als Jugendlicher verschlang er Modemagazine und beschäftigte sich mit Stoffen, Garnen und Farben. Während dieser Zeit entwickelte er seine Papier-Collagen, in denen er gezielt Bildinhalte aus Magazinen und Tageszeitungen zu neuen Motiven zusammenfügte. Geschichtet und verschlungen bilden sich in Boras Arbeiten Strukturen aus Papier, die auf den zweiten Blick erstaunlich vertraut wirken.
Das konzeptuell verbindende Element seiner Arbeiten ist die strenge Auswahl seiner verwendeten Vorlagen: Ausschließlich Papiermaterial, das durch Einkäufe oder durch den Postversand in seinen Haushalt gelangt ist, wird dekonstruiert und neugestaltet.
Cem Bora wurde 1965 in Istanbul geboren und lebt und arbeitet in Berlin. Nach seiner Ausbildung am „Fashion Institute“ des Lette Vereins Berlin arbeitete er für
Stilbüros in Paris und Amsterdam. Zwischenzeitlich gründete er ein eigenes Modelabel. Seit 2005 stellt Bora seine Arbeiten aus Papier aus, unter anderem in Ausstellungen in Berlin, Basel, Paris und Luxemburg. Er ist vertreten in der Sammlung Modebild-Lipperheidesche Kostümbibliothek, in den Staatlichen Museen zu Berlin.
a.)JESSICA MARIA TOLIVER
Art Cards
b.) SABINE THORNAU
Geld wie Heu, 2024
Geldbarren, 2024
c.) KATHARINA HINSBERG
Ohne Titel, 2025 – Roter Farbstift auf Hahnemühle Rice Paper geschnitten, auf Karton montiert, Edition von 40 (käuflich bei uns erwerbbar)
Aurora #4, 2025 - Archival Pigment Print auf Japanpapier
Aurora #5, 2025 - Archival Pigment Print auf Japanpapier
Verwehendes Rot, Blau, Violett. Farbige Flächen gebettet in zarte Linien wie Muster von splitterndem Glas, Brüche im Jetzt, etwas schimmert hindurch. Zarte Objekte, die zugleich Raum darstellen wie auch Erzählung. Objektiv Sichtbares und subjektiv Vermeintliches. Sie knüpft hier an ihre gewohnte Weise der räumlichen Gestaltung an und gelangt doch zu anderen Ergebnissen: Papier im Raum.
Astrid Busch verändert Räume in ihrer Gesamtheit. Sie tut das sanft, zurückgenommen, und doch können wir ihre Art des Eingreifens spüren, Fragen tauchen auf, Bilder verändern sich je nach Lichteinfall.
In ihren vielfach bekannten ortsspezifischen Rauminstallationen vereint sie Fotografien mit unterschiedlichsten Materialien – von eigenen fragmentierten Aufnahmen bis hin zu weitergedachten Archivfunden. All diese Teile fügt sie als multimediale Inszenierungen zusammen und schafft so raumgreifende Arbeiten, die mosaikhaft wirken und dennoch immer ein Ganzes bleiben.
2020 war Busch Teil des Berliner Paper Residency Stipendiums. Dieses Erlebnis verankerte den Werkstoff Papier nachhaltig und bis heute in ihrem Portfolio. Und auch wenn das bisherige Schaffen der Künstlerin fest verankert ist mit großformatigen Inszenierungen im öffentlichen Raum, so ist doch auch das experimentelle Arbeiten mit Papier zu einer komplett eigenständigen Linie ihres künstlerischen Wirkens geworden. Längst stehen auch diese zarten Objekte exemplarisch für ihr Werk und scheinen zu rufen: Du siehst mich, du siehst mich nicht.
Astrid Busch (*1968, Krefeld) absolvierte eine Ausbildung zur Tischlerin, und studierte anschließend an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und Kunsthochschule Berlin-Weißensee, wo sie Meisterschülerin bei Prof. Katharina Grosse war. Ihre Werke befinden sich in Sammlungen wie Hetjens – German Ceramic Museum, Düsseldorf; Kunststiftung NRW, Düsseldorf; Neuer Berliner Kunstverein und Technikmuseum, Berlin; Museum für Angewandte Kunst, Gera u.a. Sie lebt und arbeitet heute in Berlin und Düsseldorf.
Aus der Serie “RX Aurigae 2/5”, 2025 - Transparentpapier, Keramik, Garn
Aus der Serie “RX Aurigae 2/5”, 2025 - Transparentpapier, Keramik, Garn, Seide
Feinste Porzellanperlen, winzig, und doch jede handgeformt. Zwischen den Handflächen gerieben, angereichert und erwärmt. Gestickt auf Transparentpapier. Das Innen und Außen verbunden, zu einem Bild, sichtbar auf allen Ebenen. Kein Versuch, das Rückseitige zu verstecken. Alles ist Teil von allem, und alles wird mit einbezogen. Diese Werke erzählen von Durchdringung im schmerzhaftesten Sinne. Transparentpapier an sich ist bereits Resultat eines komplexen Prozesses: Pressen, Laugen, Verdichten. Und nicht zuletzt durch die Stickerei verbindet die Künstlerin auch hier wie beiläufig kunsthandwerkliche Techniken und gesellschaftliche Erwartungen durch einfachster Stilmittel zu komplexen kleinen Objekten. Es sind Erzählungen von Weiblichkeit, Perlen, Schmücken, Sticken, beieinander sitzen, Gemeinschaft, das Weitergeben von Wissen. Und zugleich die Einsamkeit des Ateliers, die Übersetzung von Vertrautem mittels künstlerischer Prozesse in einen Kanon aus Vergangenheit, Familie, Selbstermächtigung und Schaffensprozess.
Auf den ersten Blick dekorativ, zart, ästhetisch, wohnt den Arbeiten etwas bei, das uns innehalten lässt. Als würde es nach uns greifen.
Justina Monceviciute (Litauen) lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte zunächst Zeichnen in Vilnius und anschließend an der Weißensee Kunsthochschule Berlin im Studiengang Textile & Surface Design, mit Fokus auf experimentelle Materialien. Seit 2019 zeigt sie ihre Arbeiten international, u. a. in den Berlinischen Galerien, am COLLECT Somerset House London und im Vilnius University Museum.
Monceviciute lehrt u. a. an der Weißensee Kunsthochschule Berlin und ist Stipendiatin der Paper Art Residency 2025 im Haus des Papiers.
NONPOINT SOURCES #5 - Karton, Spachtel, Farbe
Die Arbeit wirkt aus der Distanz wie ein kartografischer Ausschnitt einer endlos wachsenden Stadt. Erst beim näheren Betrachten werden die fragilen Schichten und Brüche sichtbar. Aus Holz, Papier, Karton und gefundenen Materialien konstruiert Hendrik Czakainski modellartige, urbane Strukturen, die an informelle Siedlungen erinnern. Die einzelnen Ebenen ragen aus der Bildfläche heraus und erzeugen einen reliefartigen, mehrdimensionalen Eindruck.
In seinen Arbeiten setzt sich Czakainski mit urbanen Strukturen und den Spuren von Transformation und Zerstörung auseinander. Seine Bilder entstehen aus persönlichen Erfahrungen vor Ort sowie aus medial geprägten Vorstellungen
urbaner Krisenräume. Daraus entwickelt er eine Bildsprache, geprägt von Überfüllung und unkontrollierter Ausdehnung, die die Merkmale der Regionen aufgreift und neu interpretiert. Die gewählten Bildausschnitte wirken dabei fast zufällig und neutral, als zeigten sie nur einen kleinen Ausschnitt eines viel größeren, grenzenlos weiterführenden Raums.
Architektur wird nicht als fertiges Konzept gedacht, sondern als sich stetig verändernder Prozess im Wandel. Aufbau und Zerfall existieren gleichzeitig. Die fragilen Materialien stehen dabei im Kontrast zur massiven Wirkung der Stadtlandschaft.
Vielleicht ist das Entscheidende weniger, ob hier Aufbau oder Zerfall stattfindet, sondern dass beides gleichzeitig plausibel ist - das ist unbehaglich, fast beklemmend.
Ohne eine eindeutige Geschichte zu erzählen, öffnet das Werk Raum für eigene Gedanken über Stadt, Wachstum und die eigenen Lebensumstände.
Hendrik Czakainski (*1979, Deutschland) lebt und arbeitet in Berlin. Nach seiner Tischlerausbildung studierte er anschließend darstellende und bildende Künste in Berlin.. Seine Werke werden seit 2009 weltweit ausgestellt, unter anderem in Seoul, Berlin und Paris. Eine Einzelausstellung seiner Arbeiten zeigte die Urban Spree Galerie. Seit 2013 unterrichtet er im Studiengang Architektur an der Beuth Hochschule für Technik Berlin.
Paris Weltraum I, 2013 - Schreibmaschine auf Papier, gerahmt
Boots on the ground, 2026 - Schreibmaschine auf Papier, perforiert, gerahmt
Untitled - Schreibmaschine auf Papier, gefaltet, gerahmt
Völker aller Länder ich wiederhole nicht vergessen nicht vergessen, 2014/2025 - Schreibmaschine auf Papier, gerahmt
Seine Papierarbeiten entstehen mit einer Schreibmaschine – meist einer mechanischen – und Papier. Anstelle klassischer Zeichengeräte verwendet er Farbband und Typen. Die Blätter entstehen aus unzähligen getippten und kraftvoll eingeschlagenen Zeichen. Buchstaben, Wörter und Satzfragmente überlagern sich und verdichten sich zu komplexen Bildfeldern.
Krecker greift Geräusche urbaner Umgebungen auf, Ströme von Daten, Waren und Informationen, digitale Codes und Medienraster. Er verwandelt sprachliches Material in eine visuelle Notation vibrierender Allover-Strukturen, die sowohl an optische Phänomene als auch an digitale Interfaces erinnern. Neben seinen Zeichnungen ist er auch für Soundinstallationen bekannt, mit denen er seine Untersuchung von Notation in den akustischen Raum hinein erweitert.
Dirk Krecker (*1972, Deutschland) lebt und arbeitet in Frankfurt am Main. Er studierte Kunst in Offenbach. Seine Arbeiten werden in verschiedenen Galerien und Institutionen in ganz Europa ausgestellt. 2026 erhielt er unseren Kunstpreis Paper Art Award in Gold.
Ohne Titel, 2021 – Inkjet Print, Leim, Holz, Spachtelmasse, Wachs
Reduktion auf das Wesentliche, Variation und Wiederholung, Formen, die der Herstellungsprozess vorschreibt – das sind nur einige Aspekte von Goekhan Erdogans Werken. Häufig arbeitet er in Serien und häufig liegt ein Passbild als
Ausgangspunkt der Arbeit zugrunde. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbstbildnis ist von vielen philosophischen, kunst- und sozialgeschichtlichen
Aspekten geprägt; das Ergebnis dieser Überlegungen dabei oft höchst minimalistisch. Erdogan hebt die fotografischen Aufnahmen aus ihrem formalen Rahmen heraus, zwingt das Papier in ungewohnte Gestaltungszustände oder transformiert die Motive bis zum völligen Auflösen, bis sie dem Werk nur noch als abstrakte Idee innewohnen.
Eine solche vom Produktionsprozess geleitete Auseinandersetzung mit dem Material findet sich ebenfalls in den hier präsentierten Werken. Was wie polierter Stein und Holzmaserung aussieht, sind in Wirklichkeit verschieden große Offsetdrucke seines Passfotomotivs, die mit Leim eingestrichen, gepresst und getrocknet wurden. Erdogan bearbeitet den Werkstoff Papier hier wie ein Bildhauer – er formt und trägt ab. Es bleiben sinnliche Objekte, pure natürliche Formen, bei denen es schwerfällt, sie nicht zu berühren.
Goekhan Erdogan wurde 1978 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte an der HfbK Städelschule Frankfurt und der Hochschule für Gestaltung Offenbach. Preisträger des Dieter-Haack-Award 2011. Regelmäßige Solo- und Gruppenausstellungen in Galerien und Kunstvereinen in Deutschland, insbesondere im Rhein-Main-Gebiet sowie an unterschiedlichen Standorten in Europa.
Intervals 2, 2025 – Siebdruck, Papier, Edelstahlkonstruktion
Infinite Argyle, 2025 – Siebdruck, Papier, Edelstahl
In ihren Werken untersucht sie das Zusammenspiel von Papier und Druckgrafiken im erweiterten Feld, dabei experimentiert sie mit verschiedenen Dimensionen, Farben und dem umgebenden Raum. Inka Bells Interesse gilt dabei visuellen Phänomenen und den grenzenlosen Möglichkeiten der Gestaltung von Bildoberflächen.
Bells Werke verkörpern subtile Momente des Übergangs und der Transformation, in denen Bewegung durch Variationen in Material und instrumentellen Elementen entsteht. Ihre Arbeiten laden die Betrachter dazu ein, die in ihnen stattfindenden Veränderungen und ihre Beziehung zum umgebenden Raum zu beobachten. Sie schaffen Dimensionen, in denen präzise definierte Informationen ins Unkontrollierbare übergehen und sich in neue Frequenzen verwandeln.
Inka Bell (*1981, Finnland) lebt und arbeitet in Helsinki. Sie studierte Fashion Design und Grafik Design in Helsinki. Ihre Arbeiten werden international ausgestellt, unter anderem in Helsinki, Kopenhagen, Paris und New York. Sie erhielt den Paper Art Award 2026 in Silber.
1000 Frauen, fortlaufend – Samenkapsel Papierobjekt, Japanpapier, Inkjet-Prints, Leim
Unerhört und ungehörig – Recherchiert, gesammelt, sichtbar gemacht. Es sind Frauen, die die Welt verändert haben: Wissenschaftlerinnen, Denkerinnen, Aktivistinnen, Künstlerinnen, Revolutionärinnen. Manche von ihnen waren für den Nobelpreis nominiert oder haben ihn erhalten. Viele waren ihrer Zeit weit voraus – mutig, brillant, unbequem. Und doch: Wir kennen ihre Namen nicht. Nicht, weil sie vergessen wären – sondern weil sie vergessen gemacht wurden. Einige dieser Frauen waren zu ihren Lebzeiten wandelnde Denkmäler – berühmt, gefeiert und geachtet. Aber nach ihrem Tod verschwanden sie aus den Geschichtsbüchern. Denn Geschichte ist nicht, was war. Geschichte ist das, was überliefert wird. Und überliefert wurde – lange Zeit vor allem von Männern.
Im Grimmzentrum konnte man erstmals das Ergebnis aus der Kooperation mit der Klasse 2Md der Schule St. Franziskus aus Schöneberg während unseres Fotofestivals Kommunikation und Haltung 2025 erkunden. Hier wurden die Porträts dieser Frauen in vier Wochen auf einer Papierskulptur, die die Form einer Samenkapsel (von der Künstlerin Ilka Raupach) besitzt, angebracht. Dabei erlebten die Kinder, wie viele dieser Frauen ihnen unbekannt waren, sie diskutierten die Gründe und entdeckten ihre Errungenschaften.
Beteiligte Kinder: Roman, Anton, Ida, Matvey, Klara, Mila, Henri, Ana, Maria, Antonia, Samir, Malte, Vera, Florentina, Hanna, Antea, Paul, Jonathan, Theda, Hani.
Diesmal zeigen wir dieses Objekt im Rahmen von Multiples Weiß als Paradebeispiel für die Leerstellen, mit denen wir aufwachsen und an die wir uns gewöhnen sollen. Abgeschlagene Wurzeln. Es bleibt kein Schmerz. Wir können nicht vermissen, was wir nicht kennen.
Wir danken für die Recherche der Frauen und ihrer Errungenschaften: Mariana Herrera Pulem und Muriel Fietz.
Das Objekt stand während des vergangenen Jahres auf einem Balkon und trägt deutliche Spuren der Verwitterung. Wer hätte erwartet, dass Papier all das aushalten kann?
Memory Book, 2025 - Collage Japan- und Baumwollpapier
Bamboo Sound I, 2026 - Collage, Bambus- und Gazepapier
Bamboo Sound IV, 2026 - Collage Bambus- und Japanpapier
Hideaki Yamanobe arbeitet an der Schnittstelle von Zeichnung, Malerei und skulpturalem Denken. Seine Werke entstehen oft aus der Beobachtung natürlicher Formen und räumlicher Strukturen. Mit reduzierten Mitteln untersucht er Prozesse von Wachstum, Veränderung und Wahrnehmung. Dabei verbindet er präzise handwerkliche Ausführung mit einer poetischen, offenen Bildsprache.
In Memory Book fügen sich feine Schichten aus verschiedenen Papiersorten zu einer ruhigen, vielschichtigen Komposition. Das Werk erinnert an Erinnerungen, die sich überlagern, verändern und neu zusammensetzen. In den Arbeiten Bamboo Sound Arbeiten erzeugen die unterschiedlichen Papierstrukturen ein sensibles Spiel aus Transparenz, Licht und Rhythmus. Es entsteht ein Wechselspiel von Material, Raum und Öberfläche. Inspiriert von Bambus, vermittelt die Arbeit den Eindruck von Bewegung und Klang. Natürliche Materialien werden zu einer poetischen Bildsprache verdichtet.
Hideaki Yamanobe (*1964, Tokio) lebt und arbeitet in Köln, Düsseldorf und Tokio. Nach seinem Studium der Malerei in Tokio und der Druckgrafik in Basel entwickelte er eine international gezeigte künstlerische Praxis zwischen Japan und Europa. Seine Arbeiten wurden unter anderem in Köln, Tokio und Frankfurt am Main ausgestellt und sind Teil privater und institutioneller Sammlungen, darunter der Ernst Wilhelm Nay Stiftung.
1.IRENE WÖLFL
Behind #09, 2023 - Collage aus gebrauchtem Papier
Irene Wölfl (*Krems an der Donau) arbeitet seit 2008 mit Collagen aus Verlorenem, Zurückgelassenem und Weggeworfenem. Aus Papierabfällen entstehen poetische Geschichten, die in mehreren Schichten geklebt und genäht werden. Ihre Arbeiten geben ihre Geheimnisse nie vollständig preis.
2.EMANUELA MARTUCCI
Extra Fertig, 2025 - Analog-Collage auf Wellpappe-Karton
Emaginative (Emanuela Martucci) ist eine italienische multidisziplinäre Künstlerin und Designerin mit dem Schwerpunkt auf analogen Collagen und visuellem Storytelling. In ihren Arbeiten verbindet sie vielschichtige Ironie mit einem Hauch von Sarkasmus. Dabei setzt sie sich mit Themen wie Entwurzelung, Emotionen und Verletzlichkeit auseinander.
3.ANDREA PÖTER
ohne Titel, 2025 - Collage auf Papier, Mischtechnik
Aufgewachsen im Ruhrgebiet, entwickelte sie früh eine Sehnsucht nach Farbe und Natur. In ihren abstrakten Arbeiten erforscht sie das Zusammenspiel von Farbe, ihren Klang und ihre Wirkung. Ohne klar definiertes Ziel entstehen im Prozess des Malens eigene Bildräume und persönliche Kosmen.
4.JULIA SOSSINKA
Sea Plants III, 2026 - Collage, Ink on Paper
Julia Sossinka studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und ist Meisterschülerin von Prof. Markus Lüpertz. Seit vielen Jahren arbeitet sie als freischaffende Künstlerin in Berlin.
5.ANNETTE ZOBEL
Krakellagen, 2025 - Inkjetprint und Aquarell auf Papier
Annette Zobel studierte Bildende Kunst in Mainz und war Teil der Mannheimer Produzentengalerie „Peng“. Seit 2021 arbeitet sie in der Ateliergemeinschaft Schulstraße. Ihre Arbeiten wurden vielfach ausgestellt und vom Regierungspräsidium Karlsruhe sowie dem Kulturamt Mannheim angekauft.
6.ROBERTA BONFIELD
Bournville Rd, o. J. - Mixed media collage
Roberta Bonfield lebt und arbeitet in London. Die Landschaft dient ihr als wichtige Quelle der Inspiration und Reflexion. Für ihre Collagen verwendet sie selbst bemalte Papiere, mit denen sie Motive abstrahiert und neu zusammensetzt.
7.FIENE SCHARP
Ohne Titel (FS-01-185), 2023 - Dreilagiger Papierschnitt, Pigment, Acrylglas
Fiene Scharp (*1984, Berlin) studierte Bildende Kunst an der UdK Berlin und erhielt zahlreiche Preise und Stipendien. Ihre Arbeiten wurden in Museen und Kunstinstitutionen im In- und Ausland gezeigt, darunter im Museum für Konkrete Kunst Ingolstadt, im Kunstmuseum Stuttgart und im Museum Ritter.
8.BARBARA HÖLLER
Ixen 04, 2024 - Acryl auf Klebeband auf Japanpapier
Barbara Höller (*1959, Wien) studierte an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien und wurde mehrfach ausgezeichnet. Internationale Residenzen und Symposien führten sie unter anderem nach Italien, Japan, Norwegen, Ungarn, Kroatien und Polen. Ihre Werke werden national und international ausgestellt.
9.KRYSTYNA STEFFENS
Verborgene Klänge, o. J. - Zeichenpapier, Japanisches Geschenkpapier, Photo-Kopie, kleine Teile zerrissen, Transparentpapier
Krystyna Steffens (*Polen) begann ihre Kunstreise in Shanghai, wo sie vier Jahre lebte. Dort lernte sie, Papier als eigenständiges künstlerisches Medium zu schätzen. Geprägt von dieser Erfahrung verbindet sie in ihrer Arbeit Einflüsse aus Asien mit ihren europäischen Wurzeln.
10.JANINA LAMBERTY
Windzeichen, 2024 – Collage
Janina Lamberty (*1961, Ratibor, Polen) ist eine Konzeptkünstlerin, Bildhauerin, Grafikerin und Designerin. Früh zeigte sie Interesse an Natur und Wissenschaft. Sie vertiefte ihr Interesse in Kunst, Kultur und Philosophie. Seit 2001 lebt und arbeitet sie in Düsseldorf und Barcelona.
11.SILKE JANAS
kleines Fenster II, 2026 - Handbemalte Chinapapiere (Acryl) auf Karton
Silke Janas (*1975) lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Gießen. Charakteristisch für ihre Arbeiten sind handbemalte Papiere, die ihr als Grundlage und Inspiration für ihre Collagen dienen. „Kleines Fenster II“ ist Teil einer Serie ungegenständlicher Werke.
12.FRANZISKA TEUFEL
Stille ist nicht leer. Sie ist voller Antworten. 2025 - Collage, Mixed Media
Franziska Teufel (*Sigmaringen) studierte Kunst und war anschließend in verschiedenen Einrichtungen kunstpädagogisch tätig. Neben zahlreichen Ausstellungen arbeitet sie in den Bereichen Collage, Mixed Media, Textil und Künstlerbuch und ist Mitglied im VBKW/BBK.
13.LOLA GIANCARELLI
Embalaje, o. J. - Machine-stitched collage on paper
Lola Giancarelli (*Buenos Aires, Argentinien) ist eine queere bildende Künstlerin, Performerin und Kulturproduzentin, die in Berlin lebt und arbeitet.
In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit Collagen, Archiven und Materialität. Dabei untersucht sie Verbindungen zwischen Erinnerung, urbanen Fragmenten und Prozessen des Bewahrens.
14.ELIZABETH CARLSSON
The Paper That Remembers It Was a Fungus, o. J. - Handmade paper from wood fungi
Elizabeth Carlsson lebt und arbeitet als Künstlerin und ökologische Praktikerin in Linköping, Schweden. In ihrer forschungsbasierten Arbeit untersucht sie die Beziehungen zwischen Körper, Zeit und Wahrnehmung. Dabei verbindet sie Wiederholung, Bewegung und ortsbezogene Prozesse.
15.CHRISTINE HUIZENGA
Fußnote, 2022 - Pappe mit Acryl auf MDF
Christine Huizenga (*1961) studierte Kunst in den Niederlanden sowie Philosophie und Sprachwissenschaft in Hannover. Seit 1995 arbeitet sie freischaffend als Künstlerin und stellt ihre Werke in Einzel- und Gruppenausstellungen aus. Darüber hinaus ist sie seit der Gründung der Produzentengalerie „Mimis Erbe“ auch kuratorisch tätig.
16.MEIKE ANDRESEN
Ohne Titel, 2026 - Verschiedene Papier geklebt
Meike Andresen (*1974, Deutschland) lebt und arbeitet in Hamburg. Sie studierte an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften und der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. In ihren Arbeiten nutzt sie Malerei und Klebeband, um ein Gefühl von Transparenz und Durchlässigkeit zu erzeugen. Ihre Werke werden im In- und Ausland ausgestellt.
17.ROLAND BARTH
Ohne Titel, o.J. – Collage
Roland Barth (*1983, Berlin) ist professioneller Siebdrucker und freischaffender Künstler. Er arbeitet experimentell in den Bereichen Druckgrafik, Malerei und Collage. Dabei bildet die Technik des Siebdrucks häufig die Grundlage seiner künstlerischen Arbeit.
18.ANDREY KRASULIN
Zäsur (Caesura), 2023 - Kraftpapier, Wellpappe
Andrey Krasulin (*1934 in Moskau) studierte Bildhauerei an der Moskauer Hochschule für industrielle Kunst und entwickelte früh eine eigenständige abstrakte Formensprache. Seine Werke aus Papier, Holz und Fundstücken sind international vertreten, unter anderem in der Tretjakow-Galerie, im Staatlichen Russischen Museum und im Museum Ludwig Köln. Seit 2022 lebt und arbeitet er in Berlin.
19. ENIKŐ CZIGÁNY
Zeichen 26_03, 2026 - Papiercollage (Gmund Les Naturals und Awagami Kinwashi)
Enikő Czigány absolvierte ihr Studium an der Ungarischen Universität der Bildenden Künste. Seitdem erforscht sie die geometrischen Muster der Landschaft, die bis heute eine zentrale Inspirationsquelle ihrer Arbeit sind. Diese Beobachtungen überführt sie in abstrahierte Formen und Kompositionen.
20.CHRISTINA EVA WALZ
The Weird One, 1996 – Zeichencollage
Christina Eva Walz lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Berlin. Sie studierte Freie Kunst mit dem Schwerpunkt Zeichnung an der Kunsthochschule Mainz. In ihren abstrakten Arbeiten verbindet sie Malerei, Zeichnung und Collage zu vielschichtigen Bildräumen.
21.JOSEFIEN ALKEMA
Ohne Titel, o. J. - Relief einer alten Zeichnung
Josefien Alkema studierte an der Akademie Minerva in Groningen sowie Kunsttherapie in Leeuwarden. In ihren Arbeiten mit Zeichnung, Collage und Skulptur beschäftigt sie sich mit Rhythmus, Strukturen, Raum und Licht. Für ihre Collagen verwendet sie Zeichnungen aus früheren Jahren und entwickelt daraus neue Arbeiten.
22.ILKA RAUPACH
Wanderlust I, 2020 - Collage, Seidenpapier, Tinte, Kleister
Ilka Raupach (*1976, Deutschland) ist Professorin an der Hochschule Wismar. Von der Bildhauerei begeistert, studierte sie dieses Fach in Grönland, Norwegen und Deutschland. In ihren Arbeiten entstehen Schicht für Schicht bisher unbekannte Landschaften.
23.JENS RAUSCH
Abrisskanten und Erdgeschichte, 2025 - Öl, Gips, Kalk, Eisenoxid, Lithopone, Grafit auf Papier auf Holz
Jens Rausch (*1976, Deutschland) studierte Kunsttherapie sowie Kreativ- und Sozialpädagogik und arbeitet seit 2016 als freischaffender Künstler. Seine Werke wurden national und international ausgestellt und sind Teil mehrerer Sammlungen.
24.KIRSTIN RABE
Alpi Apuane 5, 2020 - Altpapier, Baumwollzellstoff und Tusche; gegossen, geschnitten, geklebt
Kirstin Rabe (*1971, Hamburg) lebt und arbeitet in Brandenburg und Berlin. Sie studierte Geodäsie an der HAW Hamburg und nach einem zweijährigen Aufenthalt in Südkorea Freie Kunst in Berlin. Seit 2012 arbeitet sie mit Papier. 2023 erhielt sie den Brandenburgischen Kunstpreis (Grafik).
25.VERONIKA STEINER
An…ja….Pflanzliches (aus der Serie Engführung), 2025 – Gekratztes, Verbranntes, Verhüllendes, Mischtechniken, Collage
Veronika Steiner (*1968, Wien) lebt und arbeitet in Breitenfurt bei Wien. Sie studierte Grafik und Druckgrafik an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien und war dort viele Jahre als Lehrbeauftragte tätig. In ihrer Arbeit verbindet sie Naturbeobachtungen, Fundstücke, Fotografien und Literatur und setzt diese vor allem zeichnerisch, malerisch und druckgrafisch um.
26.EDINA PICCO
Residual Warmth, 2026 - Collage auf Holzmalgrund
Edina Picco lebt und arbeitet in Berlin. In ihren abstrakten Collagen entstehen aus Reduktion und bearbeiteten Oberflächen stille Bildräume, die Erinnerung, Nähe und emotionale Spannung erfahrbar machen.
27.BRIAN HEGARTY
A piece of something, 2025 - Wabenkarton, Farbe, Tinte auf Schaumstoffplatte
Brian Hegarty (1970*, Irland) lebt und arbeitet in Drogheda. Als bildender Künstler und Musiker verbindet er in Projekten wie „thirtythree-45“ beide Ausdrucksformen miteinander. In seinen Arbeiten kombiniert er unterschiedliche Techniken und lässt Raum für Zufall und Experiment.
28.ELLEN RIBBE
Tageblatt 26.02.2026, 2026 - Collage auf historischem Papier
Ellen Ribbe lebt und arbeitet in Hattstedtermarsch in Nordfriesland. Nach einer langjährigen künstlerischen Ausbildung entwickelte sie eine eigenständige Bildsprache, in der Papier als Werkstoff und Bildträger eine zentrale Rolle spielt.
29.ANKE MEIXNER
Norwegen VII, 2024 - Handgeschöpfte Collage aus Recyclingpapierfaser und Recyclingpapierschnipsel, Seidenpapier
Anke Meixner (*1961, Deutschland) arbeitet als Spielplatzdesignerin und entdeckte parallel dazu ihre Leidenschaft für den Werkstoff Papier. Geprägt von Studienreisen nach Japan und China, schöpft sie ihr Papier aus Pflanzenfasern ihres eigenen Fasergartens.
30.EGBERT ACKERMANN
Ohne Titel, 2025 - Papierreste auf Aquarellkarton, Klebeband, Aquarellstift
Egbert Ackermann (*1960) ist Bildender Künstler und Architekt. In seinen Werkreihen und Projekten beschäftigt er sich mit Farbe, Raum und Text. Er lebt und arbeitet in München und Vinci, Italien.
31.CATH DUNCAN
Salty Splashes and Cherry Gelato, 2024 - Recycelte Farbtestreste und Mischtechnik auf Karton
Cath Duncan lebt in Utrecht und arbeitet als zeitgenössische Künstlerin mit Mischtechniken und Collagen. Ausgehend von persönlichen und beruflichen Erfahrungen mit Trauer beschäftigt sie sich in ihrer intuitiven Arbeit mit den Themen Zugehörigkeit, Resilienz und Freude.
32.JÖRG SCHMITZ
DEF, o. J. - Collage, Mischtechnik
Jörg Schmitz (*1969, Hannover) studierte an der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach am Main, unter anderem bei Franz Mon. Seine Werke sind Teil verschiedener Sammlungen, darunter die Evonik-Sammlungen in Hanau, Essen und Brüssel sowie das Klingspor Museum Offenbach.
33.BETTINA BRADT
Spur der Stille, 2021 - Papiercollage mit Teepapier und mixed media
Bettina Bradt lebt im Weserbergland und arbeitet interdisziplinär mit Collage und Fotografie. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich mit Reduktion, Materialpoesie und Wahrnehmung.
34.ULRIKE VON DER OSTEN
neues bauen 2417#15, 2026 - Acryl auf Papier, mixed media, auf MDF aufgezogen
Ulrike von der Osten (*1962, Hildesheim) studierte Freie Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Seit 1993 lebt und arbeitet sie in Frankfurt und Offenbach, erhielt verschiedene Stipendien und Förderungen und stellt ihre Arbeiten seit 2012 deutschlandweit aus
35.ANNETT FRANKE
Hinter den Fassaden, o. J. - Collage aus Karton, Zeitschrift, Seidenpapiere, Blattsilber und Pergamentpapier
Annett Franke (*1971, Halle/Sa.) wurde früh durch Malerei und Kunst geprägt. Nach Stationen in Werbung und Theater lebt und arbeitet sie seit 2001 in Berlin. Neben Mode und Taschenproduktion widmet sie sich Aquarellen und kreativen Workshops.
36.HENNING EICHINGER (Leihgabe der Sammlung im Willy-Brandt-Haus)
Notblock (Nr.25 - Nr. 30), 2003 - Öl, Kreide, Bleistift, Collage, Stempel
Henning Eichinger beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit den Beziehungen zwischen Natur, Raum und menschlicher Wahrnehmung.
Ausgangspunkt sind häufig Beobachtungen von Landschaften, Pflanzenformen oder natürlichen Prozessen.
Durch die Reduktion auf wesentliche Strukturen entstehen Werke von großer Ruhe und Konzentration.
Seine Arbeiten laden dazu ein, alltägliche Erscheinungen aufmerksam und aus neuen Perspektiven zu betrachten.
In der Werkserie NOTBLOCK nutzt Henning Eichinger die Collage als offenes Feld für Beobachtung und Experiment. Unterschiedliche Materialien, Fragmente und Spuren werden gesammelt, kombiniert und zu neuen Bildzusammenhängen verdichtet. Durch das Schichten, Überlagern und Neuordnen entstehen Werke, die an Notizen, Erinnerungen oder Gedankenskizzen erinnern. Die Collage wird dabei zum Mittel, Wahrnehmung sichtbar zu machen und neue Verbindungen zwischen Bild, Material und Bedeutung zu schaffen.
Henning Eichingers Arbeiten befinden sich in diversen privaten sowie öffentlichen Sammlungen.
37.ELISABETH SONNECK
Clipage (variable) 26-2.2, 2026 - Gouache auf Papier
Elisabeth Sonneck entwickelt seit 2006 ortsspezifische Rollbilder aus langen Papierbahnen und Fundstücken. Daraus entstand 2015 die Werkserie clipage (variable), in der Farbspektren und unikatäre Fotokopien miteinander in Beziehung treten. Die Arbeiten bleiben variabel in ihrer Anordnung.
38.MICAELA ZELLHOFER
fold II, 2026 - Digitale Fotocollage, Faden, Acryl, Buntstift, Papierschnitt
Micaela Zellhofer lebt und arbeitet in Wiesbaden. In ihren Papierarbeiten untersucht sie geometrische und räumliche Strukturen. Die Arbeiten entstehen in einem Prozess des Konstruierens und Dekonstruierens, bei dem unterschiedliche Techniken experimentell miteinander kombiniert werden.
39.MARÍA ELISA QUIARO
QS Rosa 2, o. J. - Analoge Collage, Fotografie
María Elisa Quiaro (*Venezuela) ist eine multidisziplinäre Künstlerin, die mit Collagen, Papier, Assemblagen, Porzellan, grafischen Künsten und Enkaustikmalerei arbeitet. Sie lebt und arbeitet in Höhr-Grenzhausen. Bilder und Worte prägen ihre künstlerische Arbeit, in der sie durch die Collage eine eigene visuelle Sprache entwickelt hat.
40.CLARA ZIMMERMANN
finding color #07, 2025 - Collage, Papier und Farbfilterfolie auf Papier
Clara Zimmermann (*1993, Stuttgart) lebt und arbeitet als Textildesignerin in Hamburg. In Serien und Sammlungen erforscht sie Farbe, Fläche und Material. Die Collage ist dabei zugleich Ausgangspunkt und Ergebnis ihrer Beobachtungen und Entdeckungen.
41.MAX ERNST
Flechten unterm Kinn, 1960 – Collage, Papier
Der Knabe im Kragen, auch: Der abwaschbare Priesterkragen, 1960 – Collage, Papier
Geschmückte Frau im Spiegel, 1960 – Collage, Papier
Max Ernst war einer der bedeutendsten Künstler des Surrealismus. In seiner Arbeit kombinierte er gefundene Bilder, Zufallstechniken und eigene Vorstellungen zu neuen, überraschenden Bildwelten. Besonders die Collage nutzte er, um vertraute Motive in ungewohnten Zusammenhängen erscheinen zu lassen. Seine Werke bewegen sich zwischen Traum und Wirklichkeit und laden zu eigenen Assoziationen ein.
Aus ausgeschnittenen Bildfragmenten setzt Max Ernst eine ungewöhnliche Figur zusammen. Vertraute Formen erscheinen verändert und regen dazu an, neue Bedeutungen und Geschichten zu entdecken. Die Collage spielt mit Fantasie und Irritation – typische Merkmale des Surrealismus.
Max Ernst (*1891 Köln –1976 Paris) zählt zu den wichtigsten Künstlern der Moderne. Er gilt als Mitbegründer der Dada-Bewegung in Köln und prägte später den Surrealismus in Paris maßgeblich mit. Er experimentierte mit vielfältigen Techniken wie Collage, Frottage und Malerei. Aufgrund der politischen Situation in Europa emigrierte er während des Zweiten Weltkriegs in die USA. Nach seiner Rückkehr nach Europa lebte er überwiegend in Frankreich und schuf bis ins hohe Alter ein vielseitiges künstlerisches Werk.
Werke von Max Ernst befinden sich heute in den bedeutendsten Museen für moderne Kunst weltweit, wie: Max Ernst Museum in Brühl, das Centre Pompidou in Paris sowie das Museum of Modern Art in New York.
(Leihgabe: Sammlung im Willy-Brandt-Haus)
JESSICA MARIA TOLIVER
TOTEM, 2025 – Urnenobjekte, Pulpe aus Kohlezeichnungen und Studien der Zyklen MEN I TRUST, sixteen days of recording water, becoming corpus, coming in swarms Kohle, Asche, Ruhrwasser, vegetabile Objekte, verschiedene Hahnemühle Papiere, unbehandeltes Lindenholz, geköhltes (verbranntes) Eschenholz. Tierasche
Die beiden Urnenobjekte aus der Serie „TOTEM“ sind die aktuellsten Werke der Schwerter Künstlerin Jessica Maria Toliver und werden erstmals im Museum Haus des Papiers Berlin gezeigt.
Sie markieren eine prägnante Weiterentwicklung ihrer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Werkstoff Papier und knüpfen inhaltlich an die Selbstportraits „Innere Sicherheit“, „abends wenn ich schlafen geh`“ sowie den mehrteiligen Zyklus „sixteen days of recording water“ an.
In den neuen Urnenobjekten verdichtet die Künstlerin die symbiotische und mehrebige Mensch -Tier - Beziehung auf radikal transformative Weise, indem sie Studien, Skizzen und ganze Werkgruppen in einem performativen Akt zerreißt, verbrennt und zu Pulpe verarbeitet.
Diese Pulpe modelliert sie anschließend um ein extra konzipiertes Holzmodell, das die spätere Urnenform vorgibt.
Die getrocknete Pulphaube dient als Träger für die im letzten Herstellungsschritt aufgetragene Original -Tierasche, die den Urnenobjekten ihre Färbung und Struktur verleiht. Die beiden Objekte vereinen Symbolik, Metaphorik, mystische und spirituelle Ebenen. Sie stellen einerseits Fragen nach Endlichkeit und Tabubruch und setzen sich andererseits auf ästhetisch-pragmatische Weise mit KünstlerInnennachlass und persönlicher Weiterentwicklung auseinander.
In Form und Funktionalität entsprechen die Urnenobjekte marktüblichen Modellen.
(Text: Jessica Maria Toliver)
Jessica Maria Toliver (*1976 Coburg, Deutschland). Sie lebt und arbeitet in Schwerte, Nordrhein-Westfalen. Nach Ausstattungsassistenzen in Dortmund und Berlin entschied sie sich 2008 für die freie bildende Kunst und befasst sich seitdem mit Papier. Ihre Werke befinden sich in musealen Sammlungen wie dem Gustav-Lübcke- Museum, Hamm und dem Haus des Papiers, Berlin sowie u.a. in der Bürgerstiftung Rohrmeisterei, Schwerte, sowie in zahlreichen privaten Sammlungen. Sie war Stipendiatin der Paper Residency! 2022.
ANNA HANDICK
Gelege, 2010 – Zwiebelpapier
Handick setzt den Ausgangspunkt ihrer Arbeit in die Faszination für die Natur und die Sorge um ihre Erhaltung und Wiederherstellung. Darin untersucht sie vor allem
Überlebensstrategien und Anpassungen, Abhängigkeiten und Symbiosen, die sie wieder in die Gesellschaft zurückführen möchte. In ihrer Kunst verwendet sie vorwiegend natürliche Materialien, die sie auf ihre Verwendungsmöglichkeiten und Grenzen untersucht und so umweltfreundliche künstlerische Positionen erarbeitet.
In der hier ausgestellten Arbeit verwendet Anna Handick Zwiebelschalen als alternativen Rohstoff, um daraus ihre hauchzarten Papierkugeln herzustellen.
Anna Handick wurde 1985 in Nürnberg geboren. Derzeit lebt und arbeitet sie in Nicaragua. Sie studierte Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg bei Claus Bury. Ihre Werke wurden in zahlreichen Einzelausstellungen in Deutschland, Schweiz und Nicaragua gezeigt. Sie erhielt diverse Förderungen u.a. die Debütantenförderung des Bayrisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst und den Young Art Award des Artforum Ute Barth. Ihre Arbeiten sind Teil der Sammlung des Museums der Fundación Ortíz Gurdián in Leon/Nicaragua und der Kulturstiftung der Sparkasse Nürnberg. 2020 gründete sie
das Projekt Abacaxi Artspace.
SYSTEM 180
ReSpan Projekt
01.06.2021–31.12.2024 – Recycling von Spanholzwerkstoffen
Projektteilnehmer: Frauenhofer Institut für Angewandte Polymerforschung AIP, Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, PreZero Stiftung & Co. KG, Pfeifer Holz Lauterbach GmbH, System 180 GmbH.
Das Projekt ReSpan hat das Ziel, ein Recyclingverfahren für Holzwerkstoffe, im Besonderen für MDF, OSB, Flachpressplatten und Palettenklötze zu entwickeln. Dabei sollen nicht nur Teile, sondern möglichst alle Bestandteile der Werkstoffe einer Nachnutzung zugeführt werden. Hierfür muss eine dem jeweiligen Plattenwerkstoff chemisch angepasste Recyclingformulierung gefunden werden, die in der Lage ist, den in den Werkstoffen duroplastisch ausgehärteten Klebstoff ohne Schädigung der Holzspäne und/oder -fasern zu lösen. Medium Density Fiberplate, auch Mitteldichte Faserplatte (MdF), ist ein in Längs- und Querrichtung gleichermaßen einheitlicher Holzwerkstoff aus fein zerfasertem, hauptsächlich rindenfreiem Nadelholz. Die Kanten sind glatt und fest und können ohne besonderen Anleimer profiliert werden. Oriented Strand Board, Langpressspanplatte (OSB), ist ein Holzwerkstoff der aus langen, schlanken, ausgerichteten Spänen (strands) hergestellt wird.
Erfinder war Armin Elmendorf im Jahre 1963.
Flachpressplatte, stellt die größte und bekannteste Untergruppe der Spanplatten dar. Die Flachpressplatte ist ein Holzwerkstoff, der aus unterschiedlich großen beleimten kleinen Spänen besteht, die in zumeist drei bis fünf Schichten zu Mehrschichtplatten verpresst werden. Die äußeren Schichten bestehen dabei fast immer aus dem feineren Spanmaterial, insbesondere wenn sie anschließend zu dekorativen Zwecken beschichtet werden. (Text von Francesco Coccia, System 180)
Gefördert durch: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Programm Charta für Holz 2.0 Die Berliner Firma System 180 entwickelt Raumkonzepte mit vielfältigen Ansprüchen auf dessen Nutzung, die kreative Denk – und Schaffensprozesse begünstigen. Dabei legt sie Wertauf lokale Entwicklung und Produktion mit Blick auf ein zeitloses Design, Kombinierbarkeit sowie mit einem besonderen Fokus auf deren Recycling-Fähigkeiten. In unserer Ausstellung präsentieren wir zwei Forschungsprojekte der Firma zum Thema Nachhaltigkeit:
NICHOLAS PLUNKETT
Fecal Matters, 2019 - Zellulose, Pektin, natürliche Färbemittel
Lobke Beckfeld, Elisabetta Goltermann, Nicholas Plunkett, Melissa Krame
Können wir wiedergewonnenes Hygienepapier als Kleidung am Körper tragen oder es gar als Essgeschirr verwenden? Woher rühren unsere Vorbehalte gegenüber diesem recycelten Material und lassen sie sich überwinden?
Diesen Fragen widmeten sich Nicholas Plunkett, Elisabetta Goltermann, Melissa Kramer und Lobke Beckfeld im Forschungslabor greenlab der Kunsthochschule Weißensee. Das übergeordnete Forschungsthema des greenlabs rückt die Circular Economy in den Fokus. Das Modell der Kreislaufwirtschaft setzt dem linearen Verwertungsmodell die grundlegende Idee der zyklischen Wiederverwendung entgegen: nicht biologisch abbaubare Materialien sollen kontinuierlich im Produktions- und Verwertungskreislauf gehalten werden, während biologisch abbaubares Material der Natur zurückgegeben wird und als Nährstoff dient.In ihrem Entwurfsprojekt Fecal Matters untersuchten Nicholas Plunkett, Elisabetta
Goltermann, Melissa Kramer und Lobke Beckfeld die Gestaltungspotenziale und möglichen Anwendungsbereiche von aus Abwässern wiedergewonnener Zellulose aus Toilettenpapier. Weltweit werden jeden Tag rund 83 Millionen Rollen Toilettenpapier hergestellt, für deren Produktion täglich etwa 27.000 Bäume für den internationalen Verbrauch gefällt werden. Das Projekt erforscht auf experimenteller und praktischer Ebene Möglichkeiten, den Wertstoff Zellulose in einen weiteren Materialkreislauf zu überführen und ihn zu Textilien zu verarbeiten. Das Labor greenlab der Gestaltungsfachgebiete an der Weißensee Kunsthochschule Berlin vernetzt praxisorientierte Forschungsprojekte und Industrie mit dem Ziel, gemeinsam innovative Konzepte für nachhaltige und umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln.
EVA BULLERMANN
Petrischale 1 – Carboxymethylcellulose, Glycerin
Petrischale 2 – Schaum aus Carboxymethylcellulose und Mikrokristalliner Cellulose
Petrischale 3 – Carboxymethylcellulose, Glycerin – getrocknet auf verschiedenen Unterlagen
Phiole 1 – Eierschalenhaut
Phiole 2 – Luffa Schwammkürbis
Phiole 3 – Haut zwischen Lauchzwiebellagen
Phiole 4 – Lauchzwiebellage
Luftkissen –Carboxymethylcellulose, Glycerin verklebt mit Weizenkleister
Gerahmt:
Carboxymethylcellulose, Glycerin – mit Programm Grasshopper generiertes Muster zur Entstehung von Form durch Wasser und Luft in Pflanzen
Carboxymethylcellulose, Glycerin, Luftgefüllte Kammer verklebt mit Weizenkleister – Probe aus hoch konzentrierten Gelen Carboxymethylcellulose, Glycerin, Zwiebelzellenmuster 3D Druck aus PLA (Polylactide) – Probe
In ihrer Masterarbeit zum Thema „Gestalten mit Cellulose, Luft und Wasser“ untersucht Bullermann die Verwendungsmöglichkeiten der stabilen, biologisch abbaubaren Strukturen von Cellulosefasern. Eva Bullermann versucht am Vorbild der Natur materialsparende komplexe Strukturen zu erschaffen, die Luft und Wasser als Material in den Gestaltungsprozess mit einbeziehen. Die ausgestellten Proben zeigen Modelle aus dem Cellulosederivat Carboxymethylcellulose, welches in der Lebensmittelindustrie als Verdickungsmittel verwendet wird. Durch die Ableitung aus dem Ausgangsstoff Cellulose kann diese mit Wasser zu einem viskosen Gel angerührt werden, welches dann in Form gegossen, geschäumt und getrocknet werden kann.
Eva Bullermann (*1993 im Bayerischen Wald) ist Textil- und Flächendesignerin und beschäftigt sich in ihren Arbeiten auf künstlerischem Weg mit der Entstehung von Form in biologischem Material, sowie der Gestaltung von Material. Zuletzt war sie bei Matters of Activity im Projekt CollActive Materials als Projektassistenz und Gestalterin tätig. Im Projekt wurde spekulatives Design als Methode zur Wissenschaftskommunikation in Form von Workshops getestet.
LOOP BIOTECH
Materialprobe – Pilzblock
Loop Biotech ist eine niederländische Firma, die Beerdigungsprodukte aus lokalen Pilzen züchtet: 100 % natürlich, biologisch abbaubar, bodenverbessernd und darauf ausgerichtet, mit der Natur eins zu werden. Hier zeigen wir eine Materialprobe aus dem pilzbasierten Rohstoff, der verarbeitet wird. Hiermit wird zum ersten Mal eine naturbereichernde Bestattung ermöglicht, die Traditionen und zukunftsgerichtete Natur fördernde Materialverendung zusammenbringt.
SYSTEM 180
LignoLight – 01.05.2023–30.11.2026 – Einsatz von Lignin zur Entwicklung von Leichtbaumöbeln; Projektteilnehmer: Technische Hochschule Bingen, Weißensee Kunsthochschule Berlin, Fraunhofer-Institut für Holzforschung WKI, TECNARO GmbH, CompriseTec GmbH, System 180 GmbH, Lignopure GmbH, Trippen A. Spieth M. Oehler GmbH
1. Thermoplastische Compounds, Ligninanteil 0-50%
2. Prüfkörper Werkstoffplatte, beschichtet mit Möbellinoleum, Erzeugt aus 100%
recycelten MdF-Werkstoffplatten
3. Thermoplastisches Filament für 3D-Druck, Polyesterblend mit 30% Lignin, europäisches Laubholz
4. 3D-Druck Erzeugnis, System 180 Bauteile, olyesterblend mit 30% Lignin, europäisches Laubholz
5. Leder Imitate, Verschiedene Prägemuster mit 70% Lignin, europäisches Laubholz
6. Hartschaum Platte, Verschiedene Muster mit 0% Lignin, Dichte ca, 350kg/qm,
europäisches Laubholz
7. Leichtbau Sandwichplatte, Verschiedene Muster bestehend aus Drecksicht
thermoplastische Lignincompounds, Kern Hartschaumplatte mit 0% Lignin, Dichte ca, 450kg/qm, europäisches Laubholz
Das Projekt LignoLight konzentriert sich auf die Nutzung von Lignin zur Entwicklung neuer Materialien. Ziel ist es, die Einsatzmöglichkeiten von Lignin für modulare Leichtmöbel zu erforschen. Ein wesentlicher Aspekt des Projekts ist das Recycling, das sowohl die Wiederverwendung kompletter Baugruppen (Design for Cyclability) als auch die sortenreine Trennung und Aufbereitung der Materialien (Design for Disassembly) umfasst. Zusätzlich werden Konzepte für die Rücknahme und mögliche End-of-Life-Szenarien entwickelt. Lignin stellt neben der Zellulose mit ca. 20–30 % den zweiten Hauptbestandteil des Holzes dar.
Lignin besteht aus festen Biopolymeren und ist ein zentraler Bestandteil von Holz. Es ist nicht wasserlöslich und dadurch biologisch schwerer abzubauen als andere Stoffe. Lignin bildet wichtige Strukturmaterialien im Stützgewebe der meisten Pflanzen. Es bildet sich um und in den Zellwänden und verleiht diesen Festigkeit.
Das bisher eher als Abfallstoff betrachtete Lignin wird aus dem Zellwandmaterial verholzter Pflanzen, der Lignocellulose, gewonnen. Diese wird vor allem in der Papierherstellung als Rohstoffquelle für Zellulose und Hemicellulose benötigt.
(Text von Francesco Coccia, System 180)
Gefördert durch: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz im Programm
Technologietransfer-Programm Leichtbau (TTP LB)
ALEXANDRA FRUHSTORFER
The Secret Life of …., 2023
Klein und leicht schweben sie auf Berggipfel und sinken auf den Grund der Ozeane. Allein durch das Tragen von Polyesterpullovern verlieren wir täglich Tausende winziger Textilfasern, ohne es zu bemerken. Sie sammeln sich in den Staubflocken in den Ecken unserer Schlafzimmer oder gelangen in unsere Nasenlöcher und sogar in unsere Zellen. Mehr als 65 % der weltweiten Textilproduktion besteht aus Erdöl, daher sind Kunststoff- Mikrofasern aus Textilien allgegenwärtig. Und dass, trotz der beunruhigenden Erkenntnisse aus neuesten Forschungen: Erdölbasierte Fasern können, sobald sie in unseren Körper gelangen, zu allen möglichen schweren Erkrankungen beitragen Die interaktive Installation „The Secret Life of ...” macht das Unsichtbare sichtbar. Die digitale Reflexion simuliert die Menge an Kunststoff-Mikrofasern, die wir allein dadurch in die Umwelt abgeben, dass wir in synthetischer Kleidung herumlaufen. Eine partizipative Wandinstallation lädt die Besucher dazu ein, eine persönliche Mikrofaserprobe zu hinterlassen. Das wachsende Diagramm zeigt die materielle und emotionale Zusammensetzung der im Raum vorhandenen Kleidungsstücke. (Text: Alexandra Fruhstorfer.)
Gefördert von: INTRA program, University of Applied Arts, Federal Ministry of the Republic of Austria (BMKOES), Cultural Forum Milan, Culture Moves Europe (European Union), Free University of Bolzano.
Alexandra Fruhstorfer lebt und arbeitet in Wien. Sie arbeitet als transdisziplinäre Designerin und künstlerische Forscherin. Sie nutzt spekulatives, performatives und co-kreatives Design,um politische und kulturelle Modelle im technologischen und ökologischen Wandel zu hinterfragen. Ihre international ausgestellten Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet. Sie studierte Industrial Design, ist seit 2020 in der künstlerischen Forschung tätig und Mitgründerin des Kollektivs DTAFA.
h. TU München Lehrstuhl Materialforschung Biopolymere Straubung - Alexander
Helmbrecht, Felicitas von Usslar, Weixuan Wang, Prof. Cordt Zollfrank Balsaholz am Ende delignifiziert Buchholz, Querschnitte unbehandelt Diverse Holzproben in verschiedenen Stadien der Oberflächendelignifizierung Getrockneter Celluloseschaum – bestehend aus bakterieller Cellulose Cottonid Muster
TU MÜNCHEN - LEHRSTUHL BIOGENE POLYMERE
Das Projekt „Vom Holz zum Papier“ des Lehrstuhls für Biogene Polymere an der TU München zeigt die Transformation von Holz zu Zellulose und weiter zu Papier.
Ausgangsmaterialien wie Balsa- und Buchenholz werden chemisch delignifiziert, wobei das Lignin entfernt wird und die Zellulose-Struktur erhalten bleibt. Verschiedene Stadien der Delignifizierung werden dokumentiert, vom festen Holz über Zellulosefasern bis hin zu Papiervarianten. Zudem werden innovative Materialien wie bakterieller Celluloseschaum und Cottonid vorgestellt. Mikroskopische Aufnahmen veranschaulichen die strukturellen Veränderungen während des Prozesses. Das Projekt verdeutlicht die Umwandlung von Holz
zu nachhaltigen Papier- und Zelluloseprodukten.
LaNaSys – Entwicklung eines material- und energieeffizienten Holzbausystems aus Laub- und Nadelholz Das Projekt LaNaSys soll einen Beitrag zu einer materialeffizienten und nachhaltigen Nutzung des einheimischen Rohstoffs Holz im modernen Holzbau leisten und konzentriert sich auf die Weiterentwicklung von Brettsperrholzbauteilen. Diese Bauteile werden bisher nahezu ausschließlich aus Nadelholz gefertigt, eine Ressource, die knapper werden wird. Daher werden hier Laubhölzer geringerer Qualität, käfergeschädigtes Holz sowie Furnierresthölzer für die Innenlagen verwendet. Aufgrund einer aufgelösten Lage befinden sich in der Konstruktion Hohlräume, die besondere Anforderungen an den Brandschutz stellen. Um die tragende Konstruktion zu schützen, wird eine Brandschutzschicht aus modifiziertem Cottonid eingeklebt. Cottonid, auch als Vulkanfaser bekannt, ist einer der ältesten bekannten Biokunststoffe.
Zur Herstellung einer Cottonid-Platte werden mehrere Papiere für eine bestimmte Zeit bei einer bestimmten Temperatur in einem Katalysatorbad eingeweicht. Das Papier wird durch den Katalysator an der Oberfläche angeätzt, sodass sich nur eine geringe Menge der natürlichen Cellulose auflöst und wieder repolymerisiert, was zu einer Verbindung zwischen den einzelnen Fasern und zwischen mehreren Papierschichten führt. Nach der Reaktion werden die chemischen Rückstände sorgfältig ausgewaschen, und das Cottonid kann gepresst, getrocknet und in Form gebracht werden. Cottonid lässt sich problemlos schneiden, fräsen, stanzen, drehen, biegen, hobeln, kleben und färben. Die Wiederverwendung des Katalysatorsund die Verwendung von Cellulose als Rohstoff machen Cottonid zu einem nachhaltigen
Biokunststoff. Damit das Cottonid als Brandschutzauflage verwendet werden kann, wird bereits zum Papierausgangsmaterial Blähgraphit in einer bestimmten Konzentration hinzugefügt. Der Blähgraphit reagiert unter Hitzeeinfluss und bildet eine schaumartige Struktur. Dieseschaumartige Struktur entsteht aufgrund der Plättchenstruktur des Graphits und der Gasfreisetzung, die diese auseinanderdrückt. Den hier zugrunde liegenden Effekt nennt man Intumeszenz. Es bildet sich eine isolierende Schicht, die die dahinterliegenden Bauteile vor Hitze und Flammen schützt sowie Hohlräume schließen kann. Zusätzlich wird durch diese
oxidierende Oberfläche Sauerstoff verbraucht, sodass die umgebende Luft nahezu inert wird und als Löschmittel dienen kann. Bei der Oxidation entstehen keine weiteren Flammen und die Hitze wird von der Umgebung weggenommen. Im Idealfall könnten so die Flammen in einem geschlossenen Raum erstickt werden, nachdem der Sauerstoff verbraucht ist oder die Brandlast verbrannt ist. Die Schäden durch Wasser nach einem Löscheinsatz sind teilweis erheblich und erhöhen die Kosten einer Sanierung deutlich. Das LaNaSys-Deckenelement könnte hier eine Brandschutzalternative bieten. Ausgehend vom Idealfall müssten keine Löscharbeiten stattfinden. Die tragenden Bauteile werden durch die Cottonid-Schicht
geschützt und eine Erneuerung des Brandschutzes könnte einfach erfolgen, indem die aufgeblähte Cottonid-Schicht abgetragen wird und eine neue aufgeklebt wird. (Text: Alexander Helmbrecht)
Dr. Cordt Zollfrank leitet den Lehrstuhl für Biogene Polymere der Technischen Universität München am Campus in Straubing. Alexander Helmbrecht arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Lehrstuhl für Biogene Polymere der Technischen Universität München unter der Leitung von Prof. Cordt Zollfrank. Zuvor studierte er im Bachelor und anschließenden Master „Nachwachsende Rohstoffe“ an der TU München am Campus in Straubing. Zum 1. Oktober 2021 schloss er sich dem Lehrstuhl für Biogene Polymere an.
Felicitas von Usslar arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Lehrstuhl für Biogene Polymere der Technischen Universität München unter der Leitung von Prof. Cordt Zollfrank.
RELEAF PAPER
Einkaufstüte – Recyceltes Stadtlaub
Releaf Paper ist ein junges, innovatives Unternehmen, das Grünabfälle in wertvolle Rohstoffe für die Papier- und Verpackungsindustrie verwandelt. Durch die Verbindung von wissenschaftlichem und unternehmerischem Enthusiasmus verändern sie die Wahrnehmung der Menschen in Bezug auf die verantwortungsvolle Nutzung von Ressourcen für die Papierherstellung.
Das Unternehmen wurde 2021 in der Ukraine durch die Zusammenarbeit eines talentierten Wissenschaftlers und eines erfolgreichen Unternehmers gegründet.
Releaf Paper nutzt aktiv Vertragsfabriken in der Ukraine und der EU, um Papier und
Verpackungen mit der Releaf-Technologie herzustellen. Was als Forschungsprojekt eines 16-jährigen Schülers begann, hat sich innerhalb von fünf Jahren zu einem internationalen, dynamischen Startup-Unternehmen mit Büros in Paris und Kiew und globalen Ambitionen entwickelt.
Falling, 2025 – Papier, Garn
Kitsune Lady, 2021 – Objekt aus Papiermaché
Leiko Ikemura zählt zu den bedeutendsten Kunstschaffenden der Gegenwart. Ihre Gemälde und Objekte kreisen um Themen der Verwandlung und Verschmelzung von Mensch und Natur. Die hybridartigen Kreaturen und Fabelwesen sind stets schemenhaft dargestellt, im Zustand des Werdens eingefroren. Das herausragende Merkmal dabei ist Ikemuras Fähigkeit zwei sehr unterschiedliche Pole – die europäische und die panasiatische Kultur – zu verschmelzen. Ihre stillen Landschaften und die zumeist weiblichen Hybrid-Wesen sind oft Ausdruck von Unbestimmtheit und von den Tiefen menschliche Natur.
Ikemuras Skulpturen entstehen meist aus Bronze und Terrakotta oder Glas. Für das HdP schuf sie nun ihre allererste dreidimensionale Papierarbeit überhaupt. Dafür fügte sie einer ihrer bekanntesten Serien ruhender Köpfe zwei neue Exemplare in dem hochweißen Werkstoff Papiermaché hinzu. Die ungeglättete weiße Oberfläche mit den delikat modellierten Gesichtszügen verweist leise auf die Inspiration hinter dem Werk – das mythologische Wesen Kitsune, einen Eisfuchs, der die Gestalt einer schönen, jungen Frau annimmt. Die Präsenz ihrer traumwandlerischen Werke ist stets atemberaubend. Hier ist nun eine neue Komponente, das physisch Leichte, hinzugekommen.
Im Objekt Kitsune Lady zeigt sich dies besonders schön – eine fragile Form, ein Hauch von Papier.
Die Zeit scheint erstarrt. Alles kommt zur Ruhe. Atem erfüllt uns, wie Leben.
Leiko Ikemura wurde 1951 in Tsu/Japan geboren. Mit 21 Jahren zog sie nach Europa für ein Literatur- und später Malerei-Studium in Sevilla. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. August-Macke-Preis, 2009; Deutschen Kritikerpreis für Bildende Kunst, 2001. 1990–2015 lehrte sie an der UdK Berlin. Weltweite Ausstellungen, darunter: Kunsthalle Karls- ruhe; Kunstmuseum Basel; MCBA Musée Cantonal des Beaux-Arts, Lausanne; Museum für Ostasiatische Kunst, Köln; National Museum of Modern Art, Tokyo; Nevada Museum of Art, Reno; Weserburg – Museum für Moderne Kunst, Bremen u.a. Ihre Werke befinden sich in Sammlungen von Centre Georges-Pompidou, Paris; Kunstmuseen Basel, Bern und Zürich; Kunsthalle Nürnberg; Museum Kunstpalast Düsseldorf, u.a.

